Brandenburgs Wasserwege: Kahnfahrten abseits bekannter Routen
Wer an Kahnfahrten in Brandenburg denkt, hat meist den Spreewald vor Augen. Lübbenau, Lehde, Burg – diese Orte sind an Sommerwochenenden voll, die Boote reihen sich an den Fließen aneinander, und an den Schleusen wartet man länger als auf dem Wasser. Das muss nicht sein. Brandenburg hat ein Wassernetz von über 3.000 Kilometern, und viele Abschnitte sind so ruhig, dass man stundenlang kein anderes Boot trifft.
Ein guter Ausgangspunkt für stille Touren ist der Unterspreewald. Zwischen Schlepzig und Neuendorf windet sich die Spree in engen Mäandern durch Erlenbruch und Feuchtwiesen, ohne dass Motorboote oder Ausflugsdampfer die Strecke nutzen. Wer hier selbst paddelt oder sich von einem einheimischen Kahnführer begleiten lässt, erlebt eine Landschaft, die zu den artenreichsten Feuchtgebieten Mitteleuropas zählt – ein wahres Naturwunder im Spreewald, das sich nur vom Wasser aus richtig erschließt. Die Strömung ist schwach, die Ufer sind dicht bewachsen, und Reiher, Eisvögel und Biber sind keine Seltenheit.
Weiter nördlich lohnt sich der Ruppiner Kanal. Er verbindet die Havel bei Oranienburg mit der Ruppiner Seenplatte und ist für seine Klarheit bekannt. Zwischen Kremmen und Neuruppin führt die Strecke durch ausgedehnte Schilfgürtel und an kleinen Dörfern vorbei, in denen es oft nur eine Gaststätte gibt. Wer ein Ruderboot mietet, kann den Kanal in zwei Tagen durchfahren und in einem der kleinen Bootshäuser übernachten. Ähnlich ruhig ist der Oder-Spree-Kanal östlich von Fürstenwalde, wo die Berufsschifffahrt fast vollständig fehlt und die Ufer von Kiefernwäldern gesäumt werden.
Wer solche Touren plant, sollte ein paar Dinge beachten. Viele der kleinen Verleihstationen öffnen erst im Mai und schließen im September, und nicht überall gibt es Schleusenwärter vor Ort. Ein Blick auf die aktuellen Wassertiefen und Sperrungen der Brandenburger Wasserstraßen spart Ärger. Wer früh am Morgen startet, hat das Wasser für sich, und wer auf Motoren verzichtet, kommt den Tieren näher. Genau das macht diese weniger bekannten Routen aus: Sie sind keine Attraktion, sondern einfach Landschaft.