Warum das Spreewald-Biosphärenreservat einzigartig ist
Das Biosphärenreservat Spreewald liegt rund hundert Kilometer südöstlich von Berlin und umfasst eine Fläche von etwa 317 Quadratkilometern. Was diese Landschaft von anderen Flusslandschaften Brandenburgs unterscheidet, ist die Struktur des Wassernetzes: Der Fluss Spree teilt sich hier in hunderte kleinere Arme, die sich immer wieder verzweigen und neu verbinden. Zwischen diesen Armen liegen ausgedehnte Feuchtwiesen, Erlenbruchwälder und moorige Senken. Das Reservat wurde 1990 von der UNESCO anerkannt, damals noch als Biosphärenreservat im Rahmen des deutschen Wiedervereinigungsprozesses, und gehört damit zu den ältesten Schutzgebieten dieser Kategorie in Ostdeutschland.
Die Besonderheit liegt weniger in einzelnen Tier- oder Pflanzenarten als in der Kombination aus natürlicher Dynamik und jahrhundertelanger menschlicher Nutzung. Seit dem 18. Jahrhundert haben sorbische und deutsche Siedler ein System aus künstlichen Gräben, sogenannten Fließen, angelegt, um Wiesen zu bewässern und das Land zu bewirtschaften. Dieses System wird bis heute teilweise instand gehalten und prägt das Landschaftsbild. Wer sich intensiver mit den ökologischen Zusammenhängen und den aktuellen Schutzmaßnahmen beschäftigen möchte, findet in einem Überblick über den Spreewald eine gute Grundlage, um die einzelnen Schutzziele besser einzuordnen.
Ein weiterer Faktor ist die relative Abgeschlossenheit des Gebiets. Die vielen Wasserläufe sind für den Autoverkehr kaum nutzbar, was dazu geführt hat, dass sich Dörfer wie Lehde oder Leipe ihren Charakter bewahrt haben. Der Kahn ist hier bis heute ein alltägliches Transportmittel, nicht nur eine Touristenattraktion. Gleichzeitig steht das Reservat vor Problemen: Der Klimawandel mit längeren Trockenperioden senkt den Grundwasserspiegel, und der Braunkohletagebau in der Umgebung hat über Jahrzehnte in den Wasserhaushalt eingegriffen. Diese Spannungen zwischen Erhalt, Nutzung und äußeren Einflüssen machen das Spreewald-Biosphärenreservat zu einem der komplexesten Schutzgebiete Brandenburgs.